Ein ganzer Boxabend zu Ehren von „Fritzer“

OZ, 21.11.2017

Für den Inhalt dieser Seite ist eine neuere Version von Adobe Flash Player erforderlich.

Adobe Flash Player herunterladen

Fast drei Jahre nach seinem Tod wurde Fritz Sdunek in Neustadt-Glewe gewürdigt / Neuauflage 2018 in Greifswald?

Neustadt-Glewe. Der letzte Gong-Schlag ist längst verhallt, das K.o.-Donnerwetter von Terwel Pulew im Hauptkampf schon fast vergessen. Während die meisten Zuschauer längst wieder zu Hause waren, ging es in den VIP-Räumen der Sporthalle „Kuhdrift" in Neustadt- Glewe hoch her. An den Tischen hatten Legenden des Boxsports längst gemütlich ihren Platz gefunden.
Olympiasieger, Europameister, Deutsche Meister, dazu Trainer, die Weltmeister formten – sie alle
saßen in einer illustren wie geselligen Runde beisammen. Immer wieder wurden Erinnerungen lebendig
an Fritz Sdunek, neben Ulli Wegner und Manfred Wolke einer aus der Cremé de la Cremé der deutschen Boxtrainer. „Fritzer",  wie ihn seine Freunde und Bekannten liebevoll nannten, war vor knapp drei Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes verstorben. Ihm zu Ehren wurde einen Abend lang in Neustadt-Glewe geboxt.
Amateure und Profis gaben im Ring ihr Bestes, genau wie es Fritz Sdunek über mehrere Jahrzehnte
Hinweg am Rande des Seilquadrats tat. „Er war ein Trainer mit Zuckerbrot und Peitsche", erinnert sich Andreas Zülow, 1988 Olympiasieger für dieDDRund nach der Wende deutscher Meister: „Wir hatten
eine schöne Zeit." Sduneks Frau Carola, die zusammen mit Tochter Kati und zwei Enkelkindern in der Ehrenloge Platz genommen hatte, war sichtlich gerührt von der Veranstaltung: „Es ist wunderschön, dass immer noch an Fritz gedacht wird." Seit dem Tod ihres Mannes habe sie keinen Kontakt mehr zum Boxsport gehabt. Es freut mich ungemein, viele von Fritz’ Weggefährten wiederzusehen." Einer seiner engsten Vertrauten war Ulli Wegner. „Wir waren zwar Konkurrenten, am Ende des Tages aber Freunde“, sagt Wegner, der Sdunek sogar ein Kapitel in seinem Buch „Mein Leben in 13 Runden" gewidmet hat. „Fritz war ein großer Sportsmann und ein noch viel größerer Mensch. Er fehlt so sehr", sagt er ergriffen und hat einen Kloß im Hals. Für einen Moment ist er mit seinen Gedanken woanders. Ähnlich erging es Winfried Spiering, Promoter des Wiking Boxteams, der zusammen mit Harald Lange die Veranstaltung auf die Beine gestellt hatte. Der gebürtige Greifswalder erzählte sich mit anderen Weggefährten bis tief in die Nacht und bisweilen Schenkel klopfend ihre Anekdoten mit „Fritzer". Als dieser sich zum Beispiel bei einem Kampf in einen Milchkübel übergeben musste. Oder als er die Jungs aus seinem vorpommerschem Heimatort Lüssow gegen eine Greifswalder Staffel mit den Worten anstachelte: „Zeigt den Jungs, dass wir vom Dorf kommen. Immer kräftig draufhauen.“ Für den überaus erfolgreichen und beliebten Boxtrainer war es ein würdiger Abend in Neustadt- Glewe. Im nächsten Jahr soll es vielleicht in Greifswald eineNeuauflage geben.
Peter Krüger