Boxclub greift nach dem Goldenen Stern des Sports "Artikel aus der Ostseezeitung"

20.01.2017
Der BC Greifswald ist am Montag Kandidat beim bundesweiten Finale in Berlin
Artikel von Stefan Ehlers und Peter Krüger - Ostseezeitung
Die Vorfreude bei Renate und Horst Femfert ist spürbar. „Klar ist ein bisschen Spannung
da“, sagt der 73 Jahre alte Trainer des Box- und Freizeitclubs Greifswald.
Als Sieger der landesweiten Umfrage hat sich der rund 100 Mitglieder zählende Verein für das
bundesweite Finale qualifiziert.
Am Montagfahren die Femferts zusammen mit Klubchef Klaus Bahl und Mohammed Daghs, einem
14 Jahre alten Syrer, der im Mittelpunkt der Bewerbung stand, nach Berlin. Dort verleiht Bundespräsident
Joachim Gauck den Goldenen Stern des Sports. „Für uns ist es schon ein riesiger Erfolg, dass wir an der Veranstaltung teilnehmen dürfen. Wenn noch mehr rausspringen sollte, wäre es umso schöner“, meint Horst Femfert. Drei Projekte werden prämiert. „Da gibt es größere Vereine, die andere Programme haben.
Aber man weiß ja nie, wie die Jury entscheidet“, sagt der erfahrene Coach.
Der BC Greifswald unterstützt seit Jahren sozial schwache Sportler und Asylbewerber. In der Sporthalle
der Käthe-Kollwitz-Schule trainieren Kinder und Jugendliche aus Afghanistan, Armenien, Äthiopien, Syrien, Russland, Polen, Pakistan, Israel, der Ukraine und aus anderen Nationen.
Zank und Zoff duldet Femfert nicht. Der Sport verbindet. Und sprachliche Barrieren werden überwunden.
Irgendwie. „Das geht manchmal ein bisschen holprig, aber bislang sind wir immer über die Runden gekommen“, konstatiert Femfert zufrieden. Andere Länder, andere Sitten. Der eine duscht mit Hose, der nächste trainiert in Jeans. „Hin und wieder müssen wir in den ersten Wochen erst mal an der Pünktlichkeit arbeiten. Doch wer wirklich ehrgeizig ist, bekommt dieses Problem mit unserer Hilfe auch schnell in den
Griff“, meint Femfert augenzwinkernd.
Femfert ist seit mehr als 50 Jahren mit dem Greifswalder Boxsport verbunden. Der ehemalige Halbweltergewichtler ebnete etlichen Sportlern den Weg zum Erfolg. Er betreute den ehemaligen Profi-
Weltmeister Sebastian Sylvester, Marco Link, Daniel Breuhahn, Florian Schulz und die Brüder Christian und Dennis Lewandowski.
Das Training mit Ausländern für Horst Femfert ist das nicht neu.
„Wir hatten schon zu DDR-Zeiten Russen und Israelis hier – durch das Kernkraftwerk in Lubmin und die HSG, doch der Anteil ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen.“
Femferts Ehefrau Renate engagiert sich als Schatzmeisterin und Organisatorin im Klub, gibt Schülern
Nachhilfeunterricht und geht Flüchtlingsfamilien beim Ausfüllen von Formularen zur Hand.
Der Verein hilft, wo er kann. Das Engagement zahlt sich aus. Für den Erfolg auf regionaler Ebene gab es 500 Euro Siegprämie, der landesweite Triumph wurde mit 2500 Euro versilbert. Das Geld floss in die Erstausstattungen der jungen Boxer – Wettkampfkleidung, Handschuhe, Bandagen und Mundschutz.
Nach dem bronzenen und dem silbernen Stern ziehen die Boddenstädter nun mit dem Projekt „Integration
durch Spaß am Sport“ ins bundesweite Rennen. Der „Große Stern des Sports“ in Gold ist mit 10 000 Euro dotiert. Der BC Greifswald ist einer von 16 Bewerbern.
Das soziale Engagement des Klubs und dessen Nominierung für das Bundesfinale hat sich herumgesprochen.
Kerstin Kassner, Vorsitzendedes KreisverbandesVorpommern- Rügen und Kandidatin für den Bundestag (Linke), hat sich bereits zu einem Gespräch bei den Femferts angekündigt. „Es haben viele angerufen und nachgefragt, was wir machen und welche Chancen wir in Berlin haben“, erzählt Renate Femfert mit Blick auf das Bundes-Finale.