Das grüne Band 2013

Große Ehre für den Greifswalder Boxclub
Die Faustkämpfer um Cheftrainer Horst Femfert werden vom Olympischen Sportbund mit dem „Grünen Band“ geehrt.
Anmutige Stille, gedämmtes Licht, ein Klavier beginnt zu spielen. Zu poppigen Klängen tänzeln kleine und große Boxer in die vollbesetzte Halle – ein Raunen geht durch die Reihen der anwesenden 250 Gäste. Die Greifswalder Faustkämpferbedanken sich mit ihren Darbietungen für die große Ehre, die ihnen zuteilwurde. Der Deutsche Olympische Sportbund verlieh dem Boxclub Greifswald (BCG) „Das Grüne Band“. Eine Auszeichnung für die vorbildliche Talentförderung der Hansestädter. „Wir sind unheimlich stolz auf die Anerkennung unserer Arbeit“, freut sich BCG-Präsident René Neumeister. Der Preis sei Bestätigung und Ansporn zugleich, in Zukunft alles dafür zu tun, den Boxsport in der Hansestadt auch weiterhin voranzutreiben. „Viele Prominente aus Sport, Kultur und Politik sind unserer Einladung gefolgt und feiern mit uns diese Auszeichnung“, so Neumeister. Dies sei ein Indiz dafür, wie populär der Boxsport in Greifswald ist. Für den Aufschwung in den letzten Jahren sorgte vor allem Sebastian Sylvester. Der ehemalige Profiboxer und mehrfache Weltmeister weilte unter den Gästen der Festveranstaltung. „Im Club wird seit Jahrzehnten eine tolle Arbeit geleistet – ich habe ihm viel zu verdanken“, so Sylvester. Besonders freue er sich für die Familie Femfert, „die ihr gesamtes Herzblut in den Boxsport steckt.“ Ohne Renate, Horst und Rocco Femfert wäre der Greifswalder Boxsport vermutlich nicht da, wo er jetzt ist. „Die Geschichte und Entwicklung des Faustkampfes in der Hansestadt ist untrennbar mit den Femferts verbunden. Die Auszeichnung ist eine weitere große Ehrung für deren Lebenswerk“, erzählt Neumeister. André Harnisch, Filialdirektor der Greifswalder Commerzbank, zeigte sich überzeugt davon, dass die 5000 Euro Preisgeld beim Boxclub sehr gut angelegt sind. „Unabhängig von Medaillen und großen Siegen – jedes Clubmitglied ist ein Gewinner“, so Harnisch. Denn: „Kinder und Jugendliche lernen hier gesellschaftliche Werte, wie Disziplin, Fairness und Teamgeist kennen.“ Der Sport könne deshalb ein Bindeglied zwischen den gesellschaftlichen Schichten sein. Seit Anfang Juni trainiert Sophia Lein im Femfert-Gym. „Das Miteinander und die Hilfsbereitschaft sind phänomenal“, erzählt sie. Die 22-Jährige Psychologiestudentin habe eine Sportart gesucht, bei der sie sich so richtig auspowern könne. „Das Boxen ist für mich der perfekte Ausgleich zum Alltagsstress“, so Lein. In früheren Jahren boxte auch der heute 53-Jährige Musiker Thomas Putensen im Greifswalder-Gym.„Ich bin mit diesem Sport fest verwurzelt und konnte einige Erfolge feiern“, berichtet Putensen. In der damaligen DDR gewann Putensen die Spartakiade. Neben Sylvester oder Putensen gingen einige großartige Boxer durch die Hände des Cheftrainers Horst Femfert. Auch der heutige Erfolgstrainer Fritz Sdunek begann in den 1960-er Jahren in Greifswald mit dem Boxen. „Mein Alter Freund Fritz wäre gern persönlich vorbeigekommen, aber derzeit weilt er mit Boxprofi Felix Sturm im Trainingslager“, berichtet Horst Femfert. Sturm boxt am 7. Dezember gegen den Engländer Darren Barker um die Weltmeisterschaftskrone im Mittelgewicht. Ob es in Zukunft einen weiteren Greifswalder Weltmeister geben wird, sei nicht vorauszusagen. „Florian Schulz und Christian Lewandowski sind sehr talentiert“, bestätigt Horst Femfert. Ex-Weltmeister Sylvester mahnt: „Die Gesellschaft von heute treibt die Jugend in die Bequemlichkeit – neben Talent gehörtauch Biss und unbedingter Wille dazu, um Erfolg zu haben.“
Von Matthias Trenn